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Wie die Tiere die Daugava gruben

Es war einmal, es ist schon lange her, da taten eine Zeit sich alle Tiere zusammen, um einen Fluß zu graben, nämlich die Daugava. Nur die Goldamsel wollte nicht mitmachen.
„Mir“, sagte sie, „reicht völlig das Wasser, das vom Himmel fällt. Ich komme ohne das Wasser aus, das über die Erde fließt.“
Das kränkte die anderen Tiere, und sie beschlossen, die Goldamsel dafür zu bestrafen, indem sie ihr keinen Tropfen Flußwasser gaben. Mochte sie mit dem Regen vorliebnehmen. Aus diesem Grund ruft die Goldamsel noch heute bei heißem Wetter, wenn sie dürstet:
„Gibt´s bald Regen? Gibt´s bald Regen?“
Die Tiere aber machten sich ans Werk. Der Hase lief emsig voraus und zeigte, wo das Flußbett angelegt werden sollte. Aber man weiß ja, wie Meister Lamgohr läuft: im Zickzack, im Bogen. Darum schlängelt sich die Daugava in ihrem Lauf und zeigt viele Windungen und Kehren.
Dem Hasen auf dem Fuße folgte der Maulwurf. Er wühlte die erste Furche. Zum Lohn wurde ihm, so sagt man, sein schönes schwarzes Samtmäntelchen geschenkt.

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Reifentreiben

Kann auch allein gespielt werden.

Man benötigt einen Holzreifen und einen stabilen Stock.
Den Reifen rollt man nun mit der Hand vor und treibt ihn dann mit dem Stock weiter. Ziel ist es, das er möglichst lange weiter rollt.

Tipps:
-Mit Stöckchen einen Parcours abstecken und den Reifen im Slalom herum treiben.

Viel Spass beim Nachspielen.

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Tafl – Das Spiel der Wikinger (ab 12 Jahre )

Ein skandinavisches Strategiespiel für 2 Spieler

Spielanleitung:

Tafl ist ein unbalanciertes Spiel, das heißt, das Angreifer und Verteidiger mit unterschiedlichen Schwierigkeiten umgehen müssen. Daher sollten stets mindestens zwei Partien mit wechselnder Rollenverteilung gespielt werden.

Das Spielziel ist dem Schach sehr ähnlich: Der König ist gefangen zu nehmen, jedoch hat – anders als beim Schach – nicht jeder Spieler einen König, sondern nur der Verteidiger. Dieser muss versuchen, aus der belagerten Stadt seinen König an die Landesgrenzen in Sicherheit zu bringen. Die Landesgrenzen sind durch die vier Eckfelder des viereckigen, aber nicht notwendigerweise quadratischen Spielfeldes gegeben. Erreicht der König eines dieser Felder, so hat der Verteidiger gewonnen, wird der König auf seinem Weg dahin von angreifenden Truppen so bedroht, dass er nicht mehr ziehen kann, so hat der Angreifer gewonnen, der König ist dann quasi mattgesetzt.

Bewegung der Figuren: Der Angreifer beginnt das Spiel. Folgende Regeln liegen allem zugrunde:

* In jedem Zug MUSS eine Figur bewegt werden! Es herrscht also Zugzwang!
* Die Figuren KÖNNEN so weit gezogen werden wie möglich!
* Ein Zug MUSS immer auf einem freien Feld enden.
* Das Überspringen eigener oder fremder Figuren ist nicht möglich!
* Die Bewegung MUSS auf einer horizontalen oder einer vertikalen Linie erfolgen (so wie der Turm beim Schach)

Schlagen von Figuren: Anders als beim Schach wird nicht direkt geschlagen, sondern erst gefangengenommen. Dieses geschieht dann, wenn eine Figur von zwei gegnerischen Spielsteinen so eingeschlossen wird, das dabei die drei Figuren in einer horizontalen oder vertikalen Linie direkt nebeneinander stehen. Auf diagonalen Linien findet keine Gefangennahme statt! Auch ist es wichtig, daß die „Zange“ durch den Zug entsteht. Zieht eine Figur zwischen zwei Gegner, so findet keine Gefangennahme statt. Allerdings besteht kein Schlagzwang. Wird die Figur gefangengenommen, so wird sie vom Brett entfernt. Dieses Prozedere gilt für fast alle Figuren auf dem Feld. Einzige Ausnahme – wen wird’s wundern: der König. Der Feldherr muß in alle Richtungen am ziehen gehindert werden. Für seine Verhaftung sind demnach vier Spielsteine des Angreifers in der Mitte des Feldes bzw. drei am Spielfeldrand nötig.

Besondere Felder:

* Das Thronfeld darf nur vom König betreten, von allen anderen Figuren jedoch überflogen werden.
* Die Eckfelder muß der König betreten um zu gewinnen, der Angreifer darf sie NICHT besetzen.
* Figuren neben den Eckfeldern können geschlagen werden, da das Eckfeld als gegnerischer Stein zählt (für beide Seiten).

Das Spielende: Es gibt drei Möglichkeiten das Spiel zu beenden.

* Der Verteidiger gewinnt, wenn der König eines der Eckfelder besetzt, der Angreifer, wenn dieses genau nicht passiert.
* Desweiteren hat jeweils derjenige Spieler verloren, der nicht mehr ziehen kann (Zugzwang!!).

Hat der Angreifer nur noch zwei Figuren, dann sollte er aufgeben, da er mit zwei Figuren nicht mehr den König schlagen kann, dieser aber auch alleine noch die rettenden Eckfelder erreichen kann.

Weitere Informationen rund um das Spiel findet ihr bei Stamm3

tafl

Viel Spass beim Nachspielen

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Schlösschen

Für 2 oder mehr Spieler

Man benötigt 20 für die Schlösschen und dazu 5 Walnüsse pro Spieler.
Aus 4 Nüssen wir jeweils ein Häufchen gebildet, wobei das vierte auf den 3 unteren liegt. Stellt euch 2 Meter von den Häufchen entfernt auf. Jedes Kind muss nun durch werfen seiner Nüsse versuchen die Häufchen zu zerstreuen. Gewonnen hat dann jenes Kind, das die meisten Häufchen trifft.

Tipps:
Steigert den Abstand wenn ihr größer seid, oder es etwas schwerer sein soll.
Hochkant fllen die Türme schneller als flach gebaut.

Viel Spass beim Nachspielen.

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Kullernüsse

Für 2 oder mehr Spieler

Jedes Kind bekommt zu Beginn 10 Walnüsse. Nun sucht man sich einen leichten Abhang und stellt sich auf. Jedes Kind lässt im Wechsel eine Nuss den Abhang herab kullern. Trifft eine Nuss eine Voherige, so nimmt das Kind beide Nüsse auf. Wer keine Nüsse mehr hat scheidet aus. Gewonnen hat das Kind das als letztes noch Nüsse hat.

Tipps:
-Wenn ihr eure Nüsse behalten wollt, so könnt ihr sie farblich gestalten.
-Kleine Hügel gestalten das Spiel etwas schwieriger.
-Grabt kleine Löcher als Ziele.

Viel Spass beim Nachspielen

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Über den Kyffhäuser

Ein ganz ordentlicher Haufen von Bauernlümmels, gefährlich aussehenden Waldleuten und blassen Stadtmenschen hat Aufstellung genommen. Die Männer wollen möglichst schnell wieder dahin zurück, woher sie gerade gekommen sind – in die Arme ihrer Freundinnen und Frauen. Das schöne Weibervolk guckt dann auch ein wenig bedeppert, als das Vorspiel so unangemessen lange hinausgezögert wird und der Tambourmajor verkündet: „Einen haben wir noch!“ Das Musikchor spielt den Yorck’schen Marsch, Beethovens berühmte Auftrags-Komposition, die eigentlich von allen Militärs, die nach seiner Kaiserlichen Hoheit, Erzherzog Anton kamen, für ihre persönlichen Zwecke mißbraucht wurde.
Auch Erich ließ sich diesen Marsch gerne blasen. Irgendetwas muß also dran sein an dem guten Stück. Selbst mein Vater hatte sich seiner angenommen und sich einen ganz anderen, zugegebenermaßen etwas haarigen Reim darauf gemacht…
Die Mannspersonen, die sich da aufgebaut haben, wollen, daß es endlich losgeht. Seit Stunden stehen sie sich die Beine in den Bauch. Sie werden langsam unruhig. „Ruhe im Glied!“ zischts da wie aus einem Schlangenkorb. Auf den Tag genau sind wieder einmal 100 Jahre vergangen, und es ist allerhöchste Zeit, daß sich das lange Warten auszahlt.
Der Rotbärtige blinzelt mir zum wiederholten Male komplizenhaft zu. Die da könnten ihm gefallen! Ich weiß! – „Sag ihnen, ich zahle gut, wenn auch in den bekannt großen Zeit-Abständen…!“ nuschelt er in seinen roten Bart. Er braucht halt unbedingt, bevor der Laden hier endgültig geschlossen wird, noch ein paar zuverlässige Leute, mit denen es sich aushalten läßt.
Allerlei wunderbares Weibervolk kommt jetzt hinzu. Man merkte sofort, woher es kommt, wes Weib es ist. Ich kenne es zur Genüge. In dieser übernatürlicher Form kennen „die von drüben“ ihre Hexen natürlich noch nicht. Aber selbstverständlich sind auch sie begierig darauf, so etwas in der Art einmal kennenzulernen. Man muß halt nur einmal ihre diesbezüglichen Bittgesuche lesen. Da weiß man doch alles! Da bedarf es doch gar keiner Erklärungen mehr. Es ist doch immer wieder dasselbe. Schon so manch einer hat dann den folgenden Parforceritt auf dem Hexen-Besen nicht ohne Blessuren überstanden. „Au! Au! Au! Au! Verdammtes Tier! verfluchte Sau!“ Bevor sich so einer in der feuerroten Hexenmähne überhaupt erst richtig festkrallen kann, ist er bereits hinten wieder abgängig. „Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er…“
Ich freue mich, daß sie doch noch gekommen sind. Diese Weiber haben es drauf. Die etwas anders sozialisierten Hexenfrauen, besonders die „over 40“, bringen alles Dagewesene total durcheinander. Und da ist auch keine unter den Weibern, die sich plötzlich, wie im Schreck, die Hand vor den Mund schlüge – Oi !- , nur weil sie vielleicht ein wenig zu weit gegangen sein könnte in ihrem Mut und Übermut. Gewohnt unbotmäßig mischt sich dieses Weibervolk ins laufende Geschehen ein und redet sich um Kopf und Kragen. Es diskutiert gar nicht erst, sagt einfach so seine Meinung. Das ist neu für die diskussions-wütigen AltachtundsechzigerInnen, die auch hier neuerdings das Sagen haben. Obwohl man den Stammsitz des reinen Frauenbetriebes (nur ein paar Kilometer von hier entfernt, Luftlinie nicht einmal 30 km) beibehalten hat, ist der gesamte Vorstand komplett ausgewechselt worden. Staatsnähe lag nahe. Berufsbedingte Kontakte zur „Firma“ ließen sich wohl nicht länger leugnen. Regelmäßig, so wußte so ein altes Waschweib dem „Spiegel“ zu stecken, wäre in der Hexenküche ein dubioser Herr aufgetaucht, der sich immer nur als Mephisto vorgestellt habe. Einer! Daß ich nicht lache! Die Klinke haben sich diese Stasimänner in die Hand gegeben. Hier ist wirklich alles das gelaufen, was sich zwischen Himmel und Erde vorstellen läßt. Ich sage nur „Unternehmen Romeo“. Mal sehen, was am Montag im „Spiegel“ steht?
Gegen alle Regeln der Vernunft haben die Weiber nun auch noch ihren Schwebezustand aufgegeben und sich im Tiefflug auf den langen Weg nach hier oben gemacht. Für die Zuschauer an der Strecke eine große Freude. Ein Vergnügen, ihnen bei der Flugschau zuzuschauen. Klasseweiber das. Alle.

Was ist das hier?
Wer seid ihr hier?
Was wollt ihr da?
Wer schlich sich ein?
Die Feuerpein
Euch ins Gebein!

Zu früher überhaupt keine Parallele. Die, die man so leichthin „alte Hexen“ nennt, toben sich gewaltig aus. Sie haben es sich im Traum nicht mehr vorstellen können, daß sie es noch einmal so ungehemmt treiben dürfen, herumfliegen können, wie und wo sie es nur wollen. Start ist nach wie vor auf dem Blocksberg. Aber dann! Dann ist alles anders. Die meisten hier fliegen die allerneuesten Rutenbesen von „Airbroom & Co,“ nicht mehr die anfälligen sowjetischen Straßenfeger von Tupolew. Nun ist gleich überhaupt kein Halten mehr. Wenn sie wollten, könnten sie auf einen Ritt bis zur Zugspitze durchbrausen. Aber sie wollen nicht! Was sollen sie dort?! Heute wird am Kyffhäuser geflogen, dem Rabenberg. Hier ist Action angesagt. Und wieder sind es die ausgereiften Modelle, die, die es dem Nachwuchs noch einmal so richtig zeigen wollen. So manches dralle Weib scheint dabei ein wenig zu weit zu gehen. Es fliegt zwar zügig, aber vielleicht doch ein wenig zu freizügig über die hocherhobenen Köpfe der Schaulustigen hinweg. Alle Kraft – man sieht das deutlich – geht dabei vom aerodynamisch geformten Fleische aus. Solche Extratouren bringen die Veranstaltung erheblich in Gefahr, Imponderabilien dieser Art mag man sich hier nicht leisten. Was ist da schon das lächerliche Wackeln mit so einem bemitleidenswerten Ärschchen, wie man es von anderen Flugtagen kennt. Schon spricht man hi und da von Abbruch.
Mutwillig vom Blocksberg und der festgelegten Flugroute abgewichen, geben die alten Maschinen selbst bei der Ankunft noch eine Extra-Einlage. Muß das wirklich sein?! Sie drehen Loopings, schlagen Purzelbäume, reizen die Technik voll aus. Die erfahrensten Hexen, die sogenannten – auch drüben wohl so genannten – ÜberfliegerInnen, überraschen die Anwesenden mit noch nie dagewesenen Vorführungen. Diese Weiber sind Höllenweiber. PerfektionistInnen. Spitzenathleten. Alle entstammen sportbegeisterten Familien. Hexen-Dynastien. Als Schlußfliegerin landet Renate, meine personengebundene Hexe. Ihre so überaus kreativ gestaltete gesamtdeutsche Hexenmähne in der Hand, kommt sie winkend auf mich zu. Was soll denn das nun wieder heißen? Sie läßt jetzt voll die Hexe raushängen. Mit kaum verholener Lüsternheit blickt sie mich von der Seite her an, daß ich schon überlege, ihr einfach hinten auf den Besen zu steigen – und dann aber ab durch die Mitte!

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Der kadylonische Eber

In Kalydon, einer Stadt in der Landschaft Aitolien im Westen Griechenlands, herrschte König Oineus. Er war vermählt mit Althaia. Sie schenkte ihm einen Sohn, den sie Meleagros nannten, und weil sich gar bald zeigte, dass der Knabe von dem unbändigen Geiste und der Kraft des Kriegsgottes erfüllt war, erhielt er den Beinamen „Sohn des Ares“. Als das Kind sieben Tage alt war, traten die drei Moiren, die mächtigen Göttinnen des Schicksals, an das Wochenbett der Königin und bestimmten weissagend die Erdenwege des Kindes. Klotho, die den Spinnrocken hält, verhieß ihm Tugend und Adelsinn; Lachesis, die den Lebensfaden dreht, Kraft und Mut; Atropos aber, die nach Streng verborgener Weisheit den Lebensfaden abschneidet und dem Menschen die Stunde bestimmt, da er ins Reich der Schatten muss, sagte: „Dieser Knabe wird so lange leben, als das Holzscheit dort im Herde noch nicht völlig verbrannt ist.“ Die Göttinnen entwichen, die Mutter aber sprang im selben Augenblick vom Lager auf, riss das kostbare Scheit aus der Flamme, löschte seine Glut und versteckte es sorgsam in ihrer Kammer.Meleagros wuchs heran und ward der schönste und herrlichste Held weit und breit. Die Götter hatten ihn mit dem Geschenk der Unverwundbarkeit gesegnet. Schon als bartloser Jüngling nahm er an dem berühmten Zuge der Argonauten nach Kolchis teil. Bald nachdem er von dort zurückgekehrt war, brach über sein Vaterland schlimmes Unheil herein. König Oineus hatte die ersten Früchte eines besonders gesegneten Jahres den Göttern dargebracht: Kornähren für Demeter, Weintrauben für Bakchos, junges 01 für Athene – nur der Artemis hatte er vergessen zu opfern, ihr Altar blieb kalt, kein Weihrauch stieg dort empor. Und die erzürnte Göttin rächte sich schrecklich. Sie ließ einen riesigen Eber auf die kalydonischen Fluren los. Aus den Augen des wilden Tieres brach lodernde Glut, Blitze entfuhren seinem schäumenden Rachen, aus dem die Hauer wie Elefantenzähne ragten, und die struppigen Borsten seines Nackens starrten gleich Schanz pfählen. Die Hufe dieses Ebers zerstampften die Wiesen, sein Rüssel zerwühlte die Weideplätze, sein Atem steckte die Äcker in Brand. Die Trauben fraß er mitsamt den Ranken, die prallen Olivenbeeren mitsamt den Blättern und Zweigen, und weder Hund noch Hirte vermochten die Schafe, noch die trotzigsten Stiere die Rinder vor dem wütenden Ungeheuer zu schützen. In dieser Not rief Meleagros die berühmtesten Helden aus ganz Griechenland zusammen, vor allem jene, die gleich ihm den Argonautenzug mitgemacht hatten, und bat sie, gemeinsam mit ihm dem Eber auf den Leib zu rücken. Auch die heldenmütige Jungfrau Atalante lud er ein. Sie war die Tochter des Königs lason von Arkadien, der sie gleich nach ihrer Geburt im Walde ausgesetzt hatte, aus Enttäuschung darüber, dass ihm kein männlicher Nachkomme beschieden war. In der Wildnis aufgewachsen, von Jägern gefunden und erzogen, war das Mädchen selbst eine tüchtige Jägerin geworden, die nichts von einem Manne wissen wollte. Jeden Freier wehrte sie von sich ab, und zwei Kentauren, die ihr in der Einsamkeit nachstellten, hatte sie durch Pfeilschüsse erlegt. Sie kannte nur eine Liebe, die Liebe zur Jagd, und diese trieb sie nun auch in die Gemeinschaft der Helden, die den schrecklichen Eber töten wollten. Atalante trug das schlichte Haar zu einem Knoten gebunden. Ober ihren Schultern hing der Köcher aus Elfenbein, den Bogen hielt sie in der Linken, und ihr Gesicht mit den kühn blitzenden Augen glich eher dem eines Knaben als dem Antlitz eines Mädchens. Als Meleagros Atalante in ihrer Schönheit erblickte, sagte er bei sich selbst: „Sie schreitet einher wie die jungfräuliche Artemis selber. Glücklich der Mann, den diese Frau zum Gatten erwählt!“ Dann raffte er sich auf und gab das Zeichen zum Beginn der Jagd. In breiter Linie durchschwärmten die Jäger ein uraltes Gehölz, das sich aus der Ebene einen Berghang hinanzog. Sie stellten Netze auf, ließen die Hunde los und folgten der Fährte des Untiers. Tief hatte ein Wildbach ein abschüssiges Tal ausgewaschen, in seinem Abgrund wucherten Binsen, Weidengebüsch und Schilf. Hier lag der Eber im Versteck, hier jagten die Hunde ihn auf, dass er, wie ein Blitzstrahl die Wetterwolke, das Gehölz durchbrach und sich wütend mitten unter die Feinde stürzte. Die Jünglinge schrien laut auf und hielten ihm die eisernen Spitzen ihrer Speere entgegen – aber das Untier wich aus, durchbrach eine Koppel von Hunden und wurde von den nachfliegenden Speeren nur gestreift. Voll Grimm kehrte es um und flog nun wie ein von der Wurfmaschine geschleuderter Felsblock in die rechte Flanke der Jägerlinie. Drei Männer verwundete es tödlich, ein vierter – es war der später so berühmte Held Nestor, König von Pylos – rettete sich in die Äste eines Eichenbaumes, an dessen Stamm der Eber nun mit funkelnden Augen und dampfender Brust seine schrecklichen Hauer wetzte, als könnte er damit die Eiche zu Fall bringen. Da sprengten, hoch auf schneeweißen Rossen sitzend, Kastor und Polydeukes, die Dioskuren, herzu und hoben die Speere zum tödlichen Wurf. Aber im selben Augenblick ließ das Ungeheuer vom Baume ab und flüchtete in unzugängliches Dickicht. Jetzt legte Atalante einen Pfeil auf ihren Bogen und sandte ihn dem Tier ins Gebüsch nach. Sie traf den Eber unter dem Ohr, und zum erstenmal rötete Blut seine Borsten. Jubelnd zeigte Meleagros die Wunde seinen Gefährten und rief: „Dir, o Jungfrau, gebührt der Preis!“ Die Männer aber schämten sich, dass ihnen ein Weib den Sieg streitig machen sollte, und warfen alle zugleich ihre Speere. Die Geschosse prallten jedoch in der Luft aneinander, und keines traf den Eber. Da brach das Untier aus dem Dickicht und schlitzte dem Arkadier Ankoias den Leib auf, ehe der Jüngling die geschwungene Streitaxt niedersausen lassen konnte. Iasons, des Argonautenführers, Lanze lenkte ein widriger Zufall in den Hals einer hechelnden Dogge. Meleagros aber wurde endlich der Sieg zuteil. Er hatte zwei Speere geschleudert: der erste fuhr in den Boden, der zweite in den Rücken des gewaltigen Tieres, das zu toben anfing und, roten Schaum vor dem Munde, sich im Kreise drehte. Nun fuhren von allen Seifen Spieße in seinen Leib, und auf die Erde hingestreckt, wälzte sich der Eber verendend in seinem Blute. Wohl setzte Meleagros, der Sieger, den Fuß auf den Kopf des Getöteten, dann aber zog er ihm mit Hilfe des Dolches die borstige Haut vom Leib und reichte sie, samt dem abgehauenen schrecklichen Haupte, der tapferen Atalante. „Nimm die Beute hin“, sprach er, „sie steht mir zu – doch soll ein Teil des Ruhmes auch auf dich fallen!“ Diese Ehre missgönnten die Jäger dem Weibe, sie murrten laut, und zwei Oheime des Meleagros, Brüder seiner Mutter, traten mit geballten Fäusten auf den verliebten Sieger zu, bedrohten ihn und entrissen der Jungfrau das Fell. Das war für Meleagros zu viel. Jähzorn übermannte ihn, und mit dem Rufe: „Ihr Räuber, lernet von mir, wie verschieden Drohungen von Taten sind!“ stieß er dem einen Oheim und, ehe der andere sich besinnen konnte, auch diesem das Schwert in die Brust. Königin Althaia war gerade auf dem Wege zum Tempel, um den Göttern für den Sieg ihres Sohnes über den Eber zu danken, als man die Leichen ihrer Brüder brachte. Wehklagend schlug sie sich die Brust, eilte in den Palast zurück und vertauschte die goldenen Freudengewänder mit dem tiefen Schwarz der Trauer; ihr Jammergeschrei erfüllte die Stadt. Als sie jedoch erfuhr, wer den Mord begangen habe, versiegten ihre Tränen, und alle Trauer verwandelte sich in Rachelust, Sie eilte in ihre Kammer, holte das seit Meleagros‘ Geburt sorgsam verhehlte Scheit aus seinem Versteck und stieß es in die Glut des Herdes. Das Kienholz loderte auf, und im selben Augenblick wurde Meleagros, der gerade durch die Straßen der Stadt auf den königlichen Palast seines Vaters zuschritt, von heftigem Fieber und verzehrenden Schmerzen befallen. Er unterdrückte beides mit Heldenkraft, eilte die Stufen des Hauses hinan, brach aber hinter der Schwelle zusammen. „0 dass ich eines so schmählichen, unblutigen Todes sterben muss!“ klagte er. „Wie beneide ich die Gefährten, die der Wut des Ebers erlagen!“ Und er rief stöhnend nach den Geschwistern, nach dem greisen Vater, nach seiner Mutter. Die Königin aber kam nicht. Sie stand regungslos am Herd und sah mit starren Augen dem sich verzehrenden Brande zu. „Wendet eure Blicke hierher zum Furienopfer, ihr Göttinnen der Rache“, murmelte sie, „und ihr, meiner Brüder abgeschiedene Geister, fühlet, was ich für euch tue, und nehmet das furchtbare Totengeschenk an: mein Kind! In meinem Herzen liegt die Mutter mit der Schwester im Kampfe, und die Schwester siegt über die Mutter, darum bricht mein Herz. Bald folge ich euch nach!“ Die Schmerzen ihres Sohnes wuchsen mit dem Feuer, doch als das glimmende Scheit allmählich verkohlte und zu Asche zerfiel, erlosch auch seine Qual, und mit dem letzten Funken hauchte Meleagros seinen Geist aus. Vater und Geschwister wehklagten über seiner Leiche, ganz Kalydon trauerte, nur die Königin war stumm: sie hatte sich mit eigener Hand erdrosselt. Vor dem Herde hingesunken, den Strick um den Hals, so fand man sie.

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Der Besen

Es war einmal, es war einmal – vor gar nicht allzulanger Zeit, da lebte in einem kleinen Ort in Vorarlberg ein junges Mädchen. Das Mädchen, das mit ihrer Familie oben am Berg wohnte, mußte jeden Morgen ins Tal hinuntersteigen um in die Schule zu gehen – und am Nachmittag mußte sie wieder zurück nach Hause.
Das viele Laufen gefiel ihr überhaupt nicht, und sie überlegte sich, wie sie ohne zu laufen, hinab-, aber auch wieder zurück hinaufkommen könnte.
Sie dachte an Schlitten, Fahrräder, Ski, … , aber nichts davon konnte ihr beide Wege ersparen. Eines schönen Tages erzählte sie ihrer Mutter von dem Problem, doch die lachte nur und meinte: „Tja, du müßtest eben eine Hexe sein, dann könntest du den Weg mit deinem Besen fliegen.“
Das kleine Mädchen dachte lange darüber nach und kam dann zu dem Schluß, dies sei wohl wirklich die einzige Lösung, und darum machte sie sich auf die Suche nach jemand, der ihr weiterhelfen könnte. Sie fragte im Dorf herum, sie suchte in der Bibliothek nach Büchern, aber sie fand nicht die kleinste Spur einer Hexe.
Dann hatte sie eine Idee: Sie würde einfach im Telefonbuch nachsehen!
Gesagt, getan! Sie rannte sofort ins Wohnzimmer zum Telefon und schlug das Telefonbuch auf.
“ … Hammer … Hegel … HEXE!“ Da war es. Zwar nur ein Eintrag, aber mehr wollte sie ja gar nicht. Sie wählte die Nummer, wartete ein Weilchen und plötzlich nahm jemand ab und sagte: „Gregoria Gurkenzahn, Hexe für Modernes und nicht ganz so Modernes, womit kann ich Ihnen helfen??“
Das kleine Mädchen war erstaunt, denn so sollte sich eine Hexe doch wirklich nicht anhören, nicht so geschäftsmäßig, und dafür mit einer krächzigen, furchtbaren Stimme.
Trotzdem nahm sie allen Mut zusammen und antwortete: „Grüßgott, hier spricht Sahra. Ich möchte einen fliegenden Besen kaufen.“
„Soso, einen Besen möchtest du kaufen? Wozu benötist du ihn denn?“
„Ich brauch ihn für meinen Schulweg, damit ich nicht so lange laufen muß, und mehr Zeit zum Spielen habe.“
„Soso, zum Spielen brauchst du die Zeit? Das ist natürlich ein guter Grund. Womit kannst du denn bezahlen?“
Bezahlen! Daran hatte Sahra gar nicht gedacht!
„Ich könnte dir meinen Teddybär geben, mit dem ich immer spiele.“
„Nein, nein, ich will dir nicht dein Spielzeug wegnehmen. Ich hatte mehr an sowas gedacht wie eine gute Tat zusätzlich am Tag. Und solange du das einhältst, wird der Besen bei dir bleiben, aber sobald du einen Tag ausläßt, wird der Besen wieder zu mir zurückkehren. Bist du damit einverstanden?“
Ob sie damit einverstanden sei? Natürlich war sie das! Eine gute Tat pro Tag, ein lächerlicher Preis. Sie sagte zu, und schon am nächsten Tag stand der Besen vor ihrer Tür, und sie flog mit dem Besen in die Schule.
Eine Weile ging es auch ganz gut, und jeden Tag bezahlte sie für den Besen mit einer guten Tat. Doch Sahra wurde älter, aus dem Kind wurde eine Jugendliche, und mit der Zeit nahm sie den Besen für selbstverständlich. Und so, eines schöne Tages, vergaß sie auch die gute Tat, und der Besen verschwand auf nimmerwiedersehen im blauen Himmel.
Aber es machte Sahra fast nichts aus, denn sie hatte ja gestern den Mopedfürerschein gemacht, und wer braucht schon einen fliegenden Besen, wenn er ein Moped hat???

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Die beiden Dioskuren

Zu den schönsten Frauen des Altertums gehörte Leda, Gattin des Spartanerkönigs Tyndareos, dem sie zuerst Klytaimnestra gebar, jene später ruchlose Königin, die ihren Gemahl Agamemnon ermordete. Leda war so schön, dass sie selbst den Göttervater Zeus entflammte. In der Gestalt eines schneeweißen Schwanes ließ der Hohe sich vom Himmel in das Gemach der Königin hernieder, um ihr in heiligem Zwiegespräch seine Liebe zu gestehen. Wie wogendes, schwebendes Gold erfüllte das Licht, das von dem Schwane ausging, den Raum, und als Leda bald darauf dem Tyndareos Drillinge schenkte – die Knaben Kastor und Polydeukes und das Mädchen Helena, um dessentwillen später der Troische Krieg ausbrach -, da erkannten die Seher am Königshofe, dass Polydeukes vom Sonnengeiste des Zeus erfüllt und somit unsterblich war. Er glich jedoch seinem sterblichen Bruder Kastor in allen Dingen so völlig, dass man beide allgemein die Dioskuren nannte, die „Zeussöhne“. Kastor wurde ein berühmter Rossebändiger, Polydeukes ein unbesieglicher Faustkämpfer. Das Brüderpaar war unzertrennlich, niemals ließ einer den anderen auch nur eine Stunde allein, so sehr liebten sie einander, und alle ihre Heldentaten, die ihnen unsterblichen Ruhm eintrugen, vollführten sie gemeinsam. Sie nahmen als Iasons Gefährten am Argonautenzuge teil; auf ihren windschnellen, schneeweißen Pferden beteiligten sie sich an der Jagd auf den Kalydonischen Eber, und als eines Tages Theseus, der Athenerkönig, ihre heißgeliebte Schwester Helena entführte, befreiten die Brüder das Mädchen aus der für uneinnehmbar geltenden Burg, in welcher Theseus seine schöne Beute gefangenhielt. Die gewaltigsten Heldentaten aber verbrachten sie mit Lynkeus und Idas, den Söhnen des Königs Aphareus von Messenien, des Schwagers ihres Vaters. Lynkeus, das „Luchsauge“, konnte durch Holz und Stein, durch einen Baum genauso wie durch einen Felsen, ja durch die Erde bis in die Unterwelt blicken, während sein Bruder Idas so stark und kühn war, dass er mitunter sogar den ewigen Göttern ungestraft trotzen durfte. Anfangs verband die beiden Dioskuren mit diesen Vettern die innigste Freundschaft, die jedoch bald in den schrecklichsten Hass umschlug. Sie hatten nämlich eines Tages in Arkadien zu viert eine prachtvolle Rinderherde geraubt und wollten sie untereinander teilen. Da sie sich nicht einigen konnten, beschlossen sie, die Sache durch ein Wettessen zu entscheiden, schlachteten einen Stier, brieten ihn am Spieß, zerlegten ihn in vier ganz gleiche Teile und bestimmten, dass jener, der seinen Teil als erster aufgezehrt habe, die Hälfte der schönen Herde bekäme, während dem zweiten Sieger die andere Hälfte gehören sollte. Auf ein Zeichen begannen die Brüderpaare mit dem gewaltigen Schmaus, doch erwies sich Idas als ein so tüchtiger Esser, dass er längst vor den anderen fertig war und nun auch seinem Bruder Lynkeus helfen konnte. Alsbald war auch dessen Teil verspeist, und mit Triumphgelächter trieben die beiden Aphariden, wie man sie die Söhne des Königs Aphareus – auch nannte, die herrliche Beute heimwärts in ihres Vaters Stall. Aus Wut darüber, dass sie mit leeren Händen zurückgeblieben waren, fielen die Dioskuren bald hernach in Messenien ein und raubten in einem unbewachten Augenblick die Bräute der Apharidert, die Töchter ihres Vaterbruders Leukippos, die in ihrer Burg auf den Tag der Hochzeit warteten. Sie versteckten beide Mädchen an einem sicheren Ort und krochen dann selbst in einen hohlen Eichbaum. „Hier wollen wir ausharren“, sagten sie zueinander, „und wenn Idas und Lynkeus des Weges kommen – sie werden uns überall suchen -, so brechen wir jählings hervor und machen sie nieder!“ Der Raub der Bräute war bald entdeckt. Zornig schwang sich Lynkeus auf den höchsten Gipfel des Taygeton und durchspähte mit seinen scharfen Augen die ganze Peloponnes; nichts blieb ihm verborgen, durch Fels und Holz drang sein Blick bis an die Küste des Meeres, und schon nach kurzer Zeit hatte er die Dioskuren in ihrer hohlen Eiche entdeckt. „Da sitzen die Buben im Stamm und wähnen, uns täuschen zu können!“ rief er seinem Bruder Idas zu. „Auf, lass uns hinschleichen und sie mit der Wurflanze aus dem Neste stöbern!“ Idas packte seinen mächtigen Speer und schlich, von Lynkeus geleitet, durch Täler und Wälder. Als sie vor der Eiche angelangt waren, hob er die Waffe und schleuderte sie mit aller Kraft in den Stamm. Grässlich schrie Kastor auf, die furchtbare Spitze hatte ihm die Brust durchbohrt, blutüberströmt sank er in sich zusammen. Rasend vor Rachegier verließ Polydeukes den Baum und stürzte sich mit Eberstärke auf die Feinde. So wuchtig drang er auf sie ein, dass ihm die Aphariden alsbald den Rücken kehrten und in wilder Flucht davonstoben bis zum Grabe ihres Vaters: des Toten Geist sollte ihre Kräfte mehren. Als Polydeukes sie einholte, riss Idas den Grabstein aus dem Boden und schleuderte ihn dem verwaisten Dioskuren an die Brust, aber der unsterbliche Zeussohn stand unerschüttert. Dann rannte er dem Lynkeus die Lanze in die Weichen. „Erlisch, verfluchtes Späherauge“, rief er. „Und nun zu dir, Mörder meines Bruders!“ Damit wandte er sich von dem Sterbenden ab und stürzte auf Idas zu, auch dessen Seele zum Hades zu schicken. Es war ein grauenhafter Kampf, der da begann, nur mit äußerster Mühe konnte Polydeukes dem Gegner standhalten. Doch als dieser gerade wieder einen riesigen Felsblock aufhob, um ihn Polydeukes ans Haupt zu schmettern, griff Zeus selbst in das Ringen ein: er sandte seinem Sohne einen Blitz zu Hilfe, der flammend niedersauste und den sterblichen Idas im Nu zu schwarzem Staub verbrannte. Als finstere Wolke schwebte er eine Weile über dem Kampfplatz, verzog sich allmählich und entschwand bald völlig. Nun eilte Polydeukes, nachdem er ein dankbares Stoßgebet zum Olympos emporegesandt hatte, zu jenem Eichbaum zurück, wo er Kastor noch nicht tot, aber mit Thanatos, dem Todesengel, ringend fand. Da stürzte er neben dem Röchelnden nieder, umschlang den zuckenden Leib und flehte zu Zeus: „Oh Vater, der du in ewiger Heiterkeit über den Wolken thronst, wie soll ich weiterleben ohne das Liebste, das ich habe? Nimm die Unsterblichkeit von mir und lass mich mit Kastor vereint zum Hades niedersteigen!“ „Deine Unsterblichkeit kann ich dir nicht nehmen, denn du bist mein Sohn“, sprach Zeus, auf goldenem Strahle herniederschwebend , „auch kann ich sie Kastor, dem Sohne eines Sterblichen, nicht verleihen. Doch stelle ich es dir frei, fortab als Gott unter Göttern in ewiger Jugend die Höhe des Olympos zu bewohnen oder abwechselnd an deines Bruders Seite einen Tag bei den Schatten, den anderen im Himmel zu verbringen. Willst du dieses, so werde ich Kastor mit neuem Augenlicht und neuer Stimme begaben und seine Wunden heilen.“ Freudig entschied sich Polydeukes für die zweite Möglichkeit, und Zeus erweckte Kastor zu neuem Dasein. Eng umschlungen und glücklich versanken die Brüder ins Reich des Todes, am nächsten Tage aber stiegen sie ins Reich des Lichtes auf, und so fort durch alle Zeiten, ein herrliches Bild unwandelbarer Bruderliebe, im Tode genauso unzertrennlich wie im Leben. Als leuchtendes Doppelgestirn sahen die Menschen Kastor und Polydeukes über den nächtlichen Himmel wandern. Und geriet ein Schiff in Seenot, so riefen die Matrosen die Dioskuren zu Hilfe, und sie schwebten über das von Gewittern aufgewühlte Meer herzu, erschienen den flehenden Männern in einem milden bläulichen Geisterlichte, das die Segelmaste umflackerte, und brachten das Fahrzeug ohne Schaden in den sicheren Hafen. In Seestädten verehrte man das Brüderpaar darum ganz besonders, stellte sich gerne unter seinen Schutz und Schirm. Das flackernde Licht um die Maste aber heißt in der Seemannssprache von heute Sankt-Elms-Feuer.

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Das Ross der Hexe

Ein recht magerer Junge diente bei einem Bauern. Da sprach einmal ein sehr wohlgenährter Schmiedgeselle zu ihm. „Warum bist doch so mager? Ich bin doch so fett!“ Der Junge antwortete: “ Wenn du es auch so schlecht hättest wie ich, so würdest du gewiss auch mager sein. Jedesmal, wenn ich abends schlafen gehe wirft mit die Bäuerin eine Zaum über den Kopf, und ich werde ein Pferd. Dann reitet sie auf mir fort. Dabei spricht sie jedesmal „Oben naus und nirgends an!“ und sie reitet auf den Hexenplan wo die Hexen miteinander tanzen.“

„Ha!“, sprach der Schmiedgeselle, „da lege dich einmal in mein Bett, und ich werde mich in das deinige legen. Und wenn dann die Frau zu mir kommt, will ich ihr den Zaum entwinden und ihr über den Kopf werfen.“ Gesagt getan, es gelang dem Schmiedgesellen, der Frau den Zaum zu entwinden und mit dem Rufe “ Oben naus und überall an!“ ritt er, nachdem er sie noch bereit gehaltenen Hufeisen beschlagen hatte, auf den Hexenplan, er als Hexe, sie als Pferd.
Während sie nun dahintrabte, stieß sie an alle im Wege liegenden Hindernisse, so dass an ihrem Körper kein heiler Fleck zu finden war.
Am Hexenplan angekommen, wurde er von allen Hexen für ihresgleichen gehalten, und das Pferd blieb unbeachtet. Die Hexen tummelten sich in wilden Tänzen, zuletzt fingen sie in trunkener Lust an miteinander zu fechten und heulten dabei den Spruch:

Ich hau ein Wunde
die heilt in einer Stunde

Der Schmiede focht als Hexe fleißig mit, sprach aber bei jedem Hiebe die Worte:

Ich hau eine Wunde
die heilt zu keiner Stunde.

Dadurch kamen die Hexen mit ihm in Streit und er fand es endlich für gut, nach Hause zu ziehen. Am anderen Morgen kam die Bäuerin nicht aus dem Schlafgemache, es verging der ganze Tag, ohne dass sie aufstand. Da sahen die Hausgenossen nach und nun zeigte sich´s, dass sie ein Hexe war. denn an ihren Händen und Füßen waren noch die Hufeisen befestigt.

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