Das Ross der Hexe
Ein recht magerer Junge diente bei einem Bauern. Da sprach einmal ein sehr wohlgenährter Schmiedgeselle zu ihm. „Warum bist doch so mager? Ich bin doch so fett!“ Der Junge antwortete: “ Wenn du es auch so schlecht hättest wie ich, so würdest du gewiss auch mager sein. Jedesmal, wenn ich abends schlafen gehe wirft mit die Bäuerin eine Zaum über den Kopf, und ich werde ein Pferd. Dann reitet sie auf mir fort. Dabei spricht sie jedesmal „Oben naus und nirgends an!“ und sie reitet auf den Hexenplan wo die Hexen miteinander tanzen.“
„Ha!“, sprach der Schmiedgeselle, „da lege dich einmal in mein Bett, und ich werde mich in das deinige legen. Und wenn dann die Frau zu mir kommt, will ich ihr den Zaum entwinden und ihr über den Kopf werfen.“ Gesagt getan, es gelang dem Schmiedgesellen, der Frau den Zaum zu entwinden und mit dem Rufe “ Oben naus und überall an!“ ritt er, nachdem er sie noch bereit gehaltenen Hufeisen beschlagen hatte, auf den Hexenplan, er als Hexe, sie als Pferd.
Während sie nun dahintrabte, stieß sie an alle im Wege liegenden Hindernisse, so dass an ihrem Körper kein heiler Fleck zu finden war.
Am Hexenplan angekommen, wurde er von allen Hexen für ihresgleichen gehalten, und das Pferd blieb unbeachtet. Die Hexen tummelten sich in wilden Tänzen, zuletzt fingen sie in trunkener Lust an miteinander zu fechten und heulten dabei den Spruch:
Ich hau ein Wunde
die heilt in einer Stunde
Der Schmiede focht als Hexe fleißig mit, sprach aber bei jedem Hiebe die Worte:
Ich hau eine Wunde
die heilt zu keiner Stunde.
Dadurch kamen die Hexen mit ihm in Streit und er fand es endlich für gut, nach Hause zu ziehen. Am anderen Morgen kam die Bäuerin nicht aus dem Schlafgemache, es verging der ganze Tag, ohne dass sie aufstand. Da sahen die Hausgenossen nach und nun zeigte sich´s, dass sie ein Hexe war. denn an ihren Händen und Füßen waren noch die Hufeisen befestigt.