Wie die Tiere die Daugava gruben
Es war einmal, es ist schon lange her, da taten eine Zeit sich alle Tiere zusammen, um einen Fluß zu graben, nämlich die Daugava. Nur die Goldamsel wollte nicht mitmachen.
„Mir“, sagte sie, „reicht völlig das Wasser, das vom Himmel fällt. Ich komme ohne das Wasser aus, das über die Erde fließt.“
Das kränkte die anderen Tiere, und sie beschlossen, die Goldamsel dafür zu bestrafen, indem sie ihr keinen Tropfen Flußwasser gaben. Mochte sie mit dem Regen vorliebnehmen. Aus diesem Grund ruft die Goldamsel noch heute bei heißem Wetter, wenn sie dürstet:
„Gibt´s bald Regen? Gibt´s bald Regen?“
Die Tiere aber machten sich ans Werk. Der Hase lief emsig voraus und zeigte, wo das Flußbett angelegt werden sollte. Aber man weiß ja, wie Meister Lamgohr läuft: im Zickzack, im Bogen. Darum schlängelt sich die Daugava in ihrem Lauf und zeigt viele Windungen und Kehren.
Dem Hasen auf dem Fuße folgte der Maulwurf. Er wühlte die erste Furche. Zum Lohn wurde ihm, so sagt man, sein schönes schwarzes Samtmäntelchen geschenkt.